Oder: Die Präsenz eines erfahrenen Kollegen
Die Ruhe, die von Nebellandschaften ausgeht, war passend für eine kürzliche Session mit dem renommierten deutschen Fotografen Joachim Brohm. Joachim besitzt eine entspannte, direkte Präsenz, die sich ganz natürlich in die gedämpfte Farbpalette des nebligen Morgens einfügte. Seine dunkle Brille und der dunkle Mantel, akzentuiert durch ein helles Detail am Kragen und sein silbergraues Haar, bildeten einen schönen Anker im Dunst, während die schemenhaften Umrisse der Bäume im weißen Nichts verschwammen.

RB67 und Nervosität
Als die Negative endlich aus dem Labor zurückkamen, war ich erleichtert zu sehen, dass alle acht Aufnahmen scharf waren. Als ich ihm davon erzählte, antwortete er mit seinem charakteristisch trockenen Witz: „Die Präsenz eines erfahrenen Kollegen kann zu Höchstleistungen anspornen.“ Das traf den Kern der Sache. Einen erfahrenen Kollegen seines Formats zu fotografieren, sorgte für eine gewisse Unruhe, die durch den analogen Mittelformat-Prozess eher verstärkt wurde: Meine Mamiya RB67 ist eine wunderbare Maschine, erfordert aber manuelles Fokussieren, einen externen Belichtungsmesser und die Geistesgegenwart, nach jeder Aufnahme sowohl den Verschluss zu spannen als auch den Film zu transportieren.


Pionier der Farbe
Falls Sie mit Joachim Brohm und seinem Werk nicht vertraut sind: Er gilt weithin als Pionier der europäischen Farbfotografie. Ende der 1970er Jahre forderte er die damals vorherrschende Schwarz-Weiß-Tradition mit einem dokumentarischen Stil heraus, der gleichzeitig tief atmosphärisch ist. Seine Karriere umfasst Jahrzehnte präziser Beobachtung, von seinen Erkundungen im Ruhrgebiet bis hin zu Langzeitdokumentationen des urbanen Wandels.
- Mehr von Joachim Brohm: joachimbrohm.com
- Wichtige Publikationen: Seine Monografien wie Ruhr (2007), Ohio (2009) und LESSMORE (2023) sind essenzielle Referenzwerke an der Schnittstelle von Architektur und Landschaft.
Das Danach: Vom Nebel zur Datei
Analog zu fotografieren bedeutet natürlich auch: mehr analoge Arbeit nach dem Auslösen. Da CEWE zwar entwickelt, aber keine Scans liefert, habe ich die Negative mit einem improvisierten Setup an für meine Nikon D850 selbst digitalisiert. Es ist ein herrlich mühsamer Kampf gegen Staub, Kratzer und den Weißabgleich. Ein erheblicher Aufwand – aber für manche Menschen und Situationen fühlt es sich passend an. Wenn Sie neugierig sind, wie diese Bilder den Weg vom nebligen Feld auf den Bildschirm gefunden haben: lesen Sie den Artikel über das „eigensinnige“ Ritual meines DIY-Scanning-Setups. Es umfasst eine Nikon D850, etwas Eigenbau-Holzarbeit und den Kampf gegen den widerspenstigen Drall von Rollfilmen.
Weitere Porträts aus Kunst und Kultur finden Sie auf meiner Projektseite.
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Negative selbst digitalisieren: DIY-Workflow mit der Nikon D850 - Jan Söhlke Fotografie