In der Welt der Spitzenforschung ist das Equipment oft ebenso komplex wie die Daten, die es liefert. Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, eine bemerkenswerte Anlage zur physikalischen Gasphasenabscheidung (Physical Vapour Deposition, PVD) zu fotografieren – eine in Europa einzigartige Anlage. Die am Lehrstuhl von Prof. Xin Jiang im ZESS-Gebäude untergebrachte Anlage stellt die Speerspitze der Dünnschichttechnologie dar; ihre fotografische Dokumentation erforderte technisches Können und Geduld ebenso wie eine klare visuelle Strategie.

Die Mechanik der Dünnschicht-Innovation

Im linken Teil des Systems befindet sich die PVD-Beschichtungskammer, die im Ultrahochvakuum arbeitet; hier zerstäuben vier verschiedene Kathoden Dünnschichten auf die Proben. Diese können einzeln oder in Kombination mit verschiedensten Gasen genutzt werden, um spezifische Materialeigenschaften zu erzeugen. Der rechte Teil – verbunden über Magnetschieber – beherbergt die Kammer zur Messung der Sekundärelektronen. Ein Elektronenstrahl wird aus einer Elektronenkanone auf die Probe geschossen. Dabei dringen die schnellen Primärelektronen in die Oberfläche ein und erzeugen auf den ersten Nanometern eine große Anzahl langsamer Elektronen. Ein Teil dieser langsamen Elektronen verlässt die Probe und kann gemessen werden; dies sind sogenannte Sekundärelektronen.

Komplexität in visuelle Strategie übersetzen

Die Fotografie in einer funktionalen Hochleistungslaborumgebung stellt immer eine besondere Herausforderung dar. Naturgemäß sind diese Räume dicht mit Instrumenten bestückt – Orte höchster Aktivität, an denen jedes Kabel und jedes Peripheriegerät einen entscheidenden Zweck erfüllt. Um der Ingenieurskunst jedoch die Ästhetik zukommen zu lassen, die sie verdient, ist ein gewisses Maß an „visueller Entzerrung“ unerlässlich.

Mein Ziel war es, die Komposition so zu verfeinern, dass sich das Auge des Betrachters nicht im Kontext der Umgebung verliert. Dabei kam ein Composite-Ansatz zum Einsatz, bei dem mehrere Aufnahmen kombiniert wurden, um die Lichtführung präzise zu steuern. Diese Technik erlaubt es mir, die elegante Geometrie des Edelstahls und der Vakuumflansche hervorzuheben und sie mit der gleichen Detailtiefe abzubilden, die die Wissenschaftler bei der Erstellung ihrer Dünnschichten anwenden.

Präzision und Geduld

In der Wissenschaft wie in der Fotografie lässt sich Qualität nicht erzwingen; Ergebnisse stellen sich nicht schneller ein, nur weil man ungeduldig ist. So hing der Erfolg eines solchen Shootings maßgeblich von den Menschen hinter den Maschinen ab. Ich bin Stefan Wagener, dem verantwortlichen Laboringenieur, sehr dankbar, dass er sich auf meinen Arbeitsprozess eingelassen hat. Seine enorme Geduld ermöglichte es uns, die perfekten Winkel und Lichtaufbauten zu finden, ohne die Integrität des Arbeitsbereichs zu beeinträchtigen.

Umso mehr freut es mich, dass das fertige Motiv vom Lehrstuhl von Prof. Xin Jiang für dessen Weihnachtskarte ausgewählt wurde. Es ist eine schöne Bestätigung dafür, dass eine Brücke zwischen Hochleistungsforschung und industrieller Ästhetik mehr als nur eine technische Dokumentation hervorbringt – es entsteht eine Form der visuellen Kommunikation, die auch über Abteilungsgrenzen hinaus Resonanz findet.