Das mühsame manuelle Ritual der Digitalisierung von Mittelformatnegativen
Man sagt, manchmal muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss. Theoretisch könnte ich, nachdem ich meine 120er Rollfilme nach dem Shooting mit meiner Mamiya RB67 zu CEWE geschickt und eine Woche gewartet habe, die Negative dann zu einem professionellen Labor in Münster fahren, um sie dort scannen zu lassen. Theoretisch. Praktisch habe ich damit zwei Probleme: Zu diesem Zeitpunkt bin ich schlichtweg ungeduldig, und außerdem behalte ich gerne die Ränder des Filmmaterials – sie sind Teil der Geschichte der Aufnahme und des Charakters der Mamiya. Da professionelle Scan-Optionen diese Ränder oft beschneiden, sah ich mich gezwungen, mich der „Gung-ho“-Realität meines Heimstudios zu stellen.
Das DIY-Setup
Mein Aufbau ist ein Beweis dafür, dass Geschwindigkeit Kompromisse erfordert und Präzision ein wenig Arbeit mit Holz. Ich habe einen eigenen Halter gebaut: Ein Blitzkopf dient als Hintergrundbeleuchtung, darüber liegt eine Platte aus Milchglas. Der Rahmen selbst ist eine handgefertigte Konstruktion aus Holz und Schrauben – eine rustikale, aber funktionale Bühne für den Film.

Die Physik dieses Setups ist jedoch der Punkt, an dem der eigentliche „Spaß“ beginnt. Es herrscht eine ständige, erschöpfende Spannung zwischen meiner etwas unhandlichen DIY-Konstruktion und der chirurgischen Präzision, die der Film erfordert.
- Der Nivellierungsakt: Den Negativhalter perfekt waagerecht auszurichten, ist der erste Schritt. Schritt zwei ist es, die Nikon D850 exakt darauf abzustimmen.
- Der Stativ-Kampf: Um die maximale Auflösung zu erreichen, muss die Kamerahöhe präzise stimmen. Da die Mittelsäule meines Stativs für diesen Aufbau horizontal stehen muss, kann ich sie nicht einfach hoch- oder runterkurbeln. Stattdessen ertappe ich mich dabei, wie ich alle drei Stativbeine einzeln justiere, die Wasserwaage zwischen den Zähnen, um eine perfekt parallele Ebene zu erreichen.
- Der Kampf gegen die Wölbung: Manchmal kommen die Negative von Cewe flach an. Meist tun sie es nicht. Anfangs habe ich sie mit Kreppband fixiert, was ihnen nicht gut getan hat. Inzwischen bin ich bei maßgefertigten Holzgewichten mit einer halbwegs scharfen Kante gelandet, um den Film plan zu halten.
Staub, Kratzer und der unsichtbare Kampf
Selbst mit den Gewichten bleibt die Umgebung feindselig. Man schwankt ständig zwischen der grobmotorischen Arbeit am Setup und der feinmotorischen Sensibilität, die nötig ist, um alles waagerecht und sauber zu halten. Zwischen den Staubkörnern, die aus dem Nichts auftauchen, und der empfindlichen Oberfläche des Films stellt das Ganze die Selbstbeherrschung auf die Probe.

Der Workflow: Vom Negativ zum TIFF
Sobald das „Scannen“ (oder eher: das Abfotografieren) abgeschlossen ist, beginnt die digitale Alchemie. Mein aktueller Workflow ist ein vierstufiger Prozess:
- Lightroom: Zuerst das Ausrichten und Zuschneiden. Die Ränder gerade und sauber im Bild zu haben, ist der erste Sieg des Tages.
- Camera Raw & Photoshop: Ich öffne die Datei in Camera Raw und führe den „Flip“ durch – mittels der Gradationskurve wird das Negativ zum Positiv invertiert. Hier lege ich Weiß- und Schwarzpunkte fest und zwinge den Weißabgleich in die Knie. Danach geht es mit dem Stempel weiter, um die bereits erwähnten Staubkörner und Kratzer mühsam zu entfernen.
- Der Export: Sobald das Bild sauber ist, exportiere ich die Datei als hochauflösendes TIFF.
- Der letzte Schliff: Das TIFF geht für die finalen Anpassungen zurück nach Lightroom.
Es mag nicht der effizienteste Weg sein, aber es ist ein notwendiges Ritual. Es ist ein weiter Weg von einem nebligen Feld zum fertigen TIFF, aber wenn man das Endergebnis sieht, ist jede Justierung der Stativbeine die Mühe wert gewesen.